#1 Was ist - und "Die Wahrheit über Fracking" von Silvia 06.08.2013 10:54

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(Zentrum der Gesundheit) - Fracking bezeichnet eine aufwändige Technik, mit der nach unkonventionellen Gasvorkommen tief in der Erde gebohrt wird. In den USA wird seit 10 Jahren "gefrackt" – mit dem Ergebnis, dass Trinkwasserbrunnen in der Nähe der Bohrungen vergiftet und die Menschen dort krank sind. Seit kurzer Zeit finden auch in Deutschland erste Probebohrungen mit der Fracking-Technik statt. Zuvor wurden weder Bürgervertreter noch Wasserbehörden informiert. Eine Online-Petition besorgter Bürger fordert Transparenz beim Fracken und setzt sich für die Rechte von Mensch und Natur ein.


Fracking - Was ist das?

Steigende Gaspreise machen die Förderung unkonventioneller Gasvorkommen wie Kohleflözgas oder Schiefergas immer rentabler. Im Vergleich zu Erdgas, das leicht aus sog. Erdgasfallen geborgen werden kann, ist Schiefergas im Gestein gespeichert und kann nur mit Hilfe anspruchsvoller Technologien - der Tiefbohrtechnik namens Fracking (oder auch "Hydraulic Fracturing" genannt) - gewonnen werden.

Dabei wird eine Mischung aus Wasser, Sand und verschiedenen Chemikalien mit hohem Druck ins bis zu 1.500 Meter tiefe Bohrloch gepresst. Im Gestein entstehen jetzt Risse - ähnlich wie bei einer Sprengung oder einem Erdbeben - durch die man das Gas absaugen kann. Besorgniserregend ist, dass durch eben diese völlig unkontrollierbaren Risse die im Gestein verbleibenden Chemikalien nach oben ins Grundwasser steigen und somit das Trinkwasser vieler Millionen Menschen vergiften können.

Fracking verspricht Milliardengewinne

In Europa sollen 50 Billionen Kubikmeter dieses im Stein gebundenen Gases tief in der Erde verborgen liegen, ein Großteil davon unter Deutschland. Multi-Konzerne wie Exxon, BNK Petroleum, Mingas und Wintershall sind dabei, ihre Fracking-Claims abzustecken, um möglichst bald die erhofften Milliardengewinne einzustreichen. Mit Fracking - so sagen die Energieunternehmen - lasse sich die Wirtschaft ankurbeln. Auch Arbeitsplätze könnten durch Fracking geschaffen und grüne Energiequellen erschlossen werden.

Angesichts von Tausenden Tonnen Chemikalien, die pro Fracking-Vorgang in die Erde gepumpt werden und - wie der amerikanische Fracking-Alltag zeigt - durchaus auch ins Grundwasser und die Umwelt gelangen können, ist die angebliche Umweltfreundlichkeit der neuen Energiequelle nicht nur zweifelhaft, sondern schlichtweg nicht vorhanden.
Fracking in Deutschland

In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind dennoch die ersten Fracking-Genehmigungen erteilt worden. Das Bergamt Niedersachsen beispielsweise genehmigte dem Energiegiganten Exxon bereits im Jahre 2008 erste Bohrungen nach Schiefergas. Da das Bergrecht die Information der Öffentlichkeit nicht vorsieht, wusste kaum jemand Bescheid. So erfuhren Wasserbehörden, Wasserwerke und Bürgervertreter erst aus der Presse, dass im Einzugsbereich der Wasserschutzzone per Fracking nach Gas gesucht wird.
Fracking - Ohne Chemikalien geht’s nicht

Die sog. Frac-Flüssigkeit (oder Fracking-Flüssigkeit) besteht zu 98 Prozent aus bis zu 20.000 Litern Wasser (pro Fracking-Vorgang), etwas Quarzsand und 0,2 Prozent Chemikalien. Letztere werden benötigt, um die Pumpwege freizuhalten. Ein gewisser Teil der Frac-Flüssigkeit bleibt immer im Boden zurück. Die mengenmäßige Zusammensetzung der Bohrflüssigkeit ist bis dato ein Geheimnis der Öl- und Gasindustrie. Die Konzerne argumentieren laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Veröffentlichung der Inhaltsstoffe den Wettbewerb beeinträchtigen würde. Ein viel triftigerer Grund für die Geheimniskrämerei dürfte hingegen die öffentliche Skepsis gegenüber den betreffenden Chemikalien sein.
Tonnenweise Chemikalien bei jedem einzelnen Fracking-Vorgang

In Deutschland wurde in der Sendung Monitor eine Liste mit den beim Fracking eingesetzten teilweise hochtoxischen Chemikalien veröffentlicht. Die Frac-Flüssigkeit enthält demnach krebserregende, hormonverändernde und stark wassergefährdende Toxine, nämlich: Tetramethylammoniumchlorid, Petroleumdestillate, Octylphenol und Biozide aus der Gruppe der Isothiazolinone.

Tetramethylammoniumchlorid ist laut dem entsprechenden Sicherheitsdatenblatt in die Wassergefährdungsklasse 1 eingestuft, gilt als schwach wassergefährdend, soll jedoch nicht ins Grundwasser, in Gewässer oder in die Kanalisation gelangen, auch nicht in kleinen Mengen. Dennoch kommen pro Fracking-Vorgang 19.000 Tonnen Tetramethylammoniumchlorid zum Einsatz.
Octylphenol ist ein toxischer, persistenter Stoff, der als Phenolharz zur Herstellung von Reifengummi, Druckfarben etc. verwendet wird und in der sog. Wasserrahmenrichtlinie als prioritär eingestuft wird. Das bedeutet, Octylphenol ist wassertoxisch und gehört in die Wassergefährdungsklasse 2. Derzeit macht man sich Gedanken über eine mögliche Umweltverschmutzung mit Octylphenol u. a. über den Reifenabrieb und schlägt Emissionsminderungsmaßnahmen vor, um den Stoff weitgehend aus unserer Umwelt fernzuhalten. Wenn nun demnächst pro Fracking-Vorgang 9,5 Tonnen dieses Stoffes eingesetzt werden, dürften sich die Verantwortlichen vor einem mengenmäßig ganz neuen Octylphenol-Problem wieder finden.
Biozide aus der Gruppe der Isothiazolinone gehören der höchstmöglichen Wassergefährdungsklasse an, nämlich 3 und sind somit stark wassergefährdend. Isothiazolinone werden als Konservierungsstoffe in Reinigungsmitteln, Klebstoffen, Farben etc. eingesetzt, da sie Mikroorganismen (Bakterien, Pilze) töten. Beim Menschen führen sie häufig zu einer Kontaktallergie, weshalb sie inzwischen kaum mehr in Körperpflegeprodukten eingesetzt werden. Pro Fracking-Vorgang gelangen 680 Kilogramm dieser hoch wassergefährdenden Stoffe in die Umwelt.

Umweltbehörden: Von Fracking keine Ahnung

Das Gefahrenpotential des Frackings ist folglich unüberblickbar. Dazu kommt, dass sich in Deutschland bislang weder das Umweltbundesamt noch ein Umweltministerium mit den Fracking-Risiken beschäftigt hat. Was sich aus der Kombination Wirtschaftsinteressen und Unwissenheit der Bevölkerung für Mensch und Umwelt entwickeln kann, zeigen uns die USA. Dort ist Fracking seit 10 Jahren Alltag.
Fracking in den USA

In mittlerweile insgesamt 34 Bundesstaaten werden 90 Prozent des amerikanischen Gases mit Fracking-Methoden gewonnen. Das Marcellus Shale, eine Gesteinsformation im Osten Nordamerikas, wo das Fracking an der Tagesordnung ist, soll so viel Gas verborgen sein, dass damit alle US-amerikanischen Eigenheime und Elektrizitätswerke für einen Zeitraum von 20 Jahren versorgt werden könnten. Kein Wunder ist Amerika im "Erdgas-Rausch". Und so schafft der Run auf das riesige Energie-Reservoir in der Tat Tausende Arbeitsplätze und belebt die Wirtschaft sogar in Bundesstaaten wie Wyoming, Texas und Louisiana (Business Week). In Pennsylvania sorgte Fracking allein im Jahre 2009 für Steuereinnahmen in Höhe von 389 Millionen Dollar und schuf im selben Jahr 44.000 neue Jobs.
Umweltbehörde hält sich raus

So wird klar, warum Politiker die Tiefbohrtechnik unterstützen. Nichts ist ihnen lieber, als die derzeit angespannte Wirtschaftslage möglichst weit hinter sich zu lassen. Wenn gleichzeitig jedoch die EPA (Environmental Protection Agency - amerikanische Behörde zum Schutz der Umwelt und der menschlichen Gesundheit) und andere verantwortliche Behörden schweigen, dann kommt der Verdacht auf, dass Ungutes im Verborgenen stattfindet. Die Business Week schreibt dazu:

Das Bohren nach Gas wird kaum durch die EPA oder andere staatliche oder lokale Behörden überwacht. Diese Behörden haben ihre eigenen Regeln.

Besser spät als nie

Nach 10 Jahren Fracking und zahlreichen vergifteten Trinkwasserbrunnen möchte die EPA nun eine landesweite Untersuchung auf den Weg bringen, um mehr über die vom Fracking ausgehenden Gefahren für die öffentliche Trinkwasserversorgung zu erfahren. Leider wird sich diese Aufgabe als außerordentlich schwierig erweisen, da die Firmen sich weigern, die Inhaltsstoffe der Frac-Flüssigkeit offen zu legen.
Gefahr durch Bohrunfälle

In den betreffenden Gegenden der USA breiten sich die schädlichen Chemikalien jedenfalls bereits auf Grund von Bohrunfällen aus. Bei einem kürzlich erfolgten Unfall gelangten Tausende Liter der Fracking-Flüssigkeit in den Towanda Creek in Bradford County, Pennsylvania. Laut der amerikanischen Nachrichtenagentur AP und dem Nachrichtensender MSNBC versagte die Technik in einer Gasbohrstation der Firma Chesapeake Energy Corp. Die Flüssigkeit, die nicht sofort zurückgehalten werden konnte, breitete sich auf den umliegenden landwirtschaftlich genutzten Feldern und in die angrenzenden Flüsse aus. Die Energiefirma hat schließlich das Leck unter Kontrolle bringen können - fünf Tage, nachdem der Unfall geschehen war.
Kontaminierte Wasservorräte

Gegen die Firmen Chesapeake Energy, Chesapeake Appalachia und Nomac Drilling wurden im Namen der Familien aus Bradford County, die ihren Grund und Boden an diese Firmen verpachtet hatten, Anzeigen eingereicht. Die Familien behaupten laut der Online-Ausgabe des Daily Review (eine Tageszeitung von Pennsylvania), dass sie "täglich neues Leid auf Grund der negativen Auswirkungen des Öl- und Gasbohrens durchmachen" müssten. Die Klageschriften, verfasst von der Organisation The Marcellus Shale Oil and Gas Litigation Group, geben an, dass die "grob fahrlässig durchgeführten Öl- und Gasbohraktivitäten" das Eigentum sowie die Wasservorräte der Kläger kontaminiert hätten.

Neben grob fahrlässigen Unfällen gibt es undichte Brunnenfundamente im Untergrund oder Lecks an der Oberfläche. Doch auch ohne Unfälle und mehr oder weniger offensichtliche Lecks befürchten Umweltschützer, dass die gefährlichen Fracking-Chemikalien durch das Gestein ins Grundwasser dringen und auf diese Weise die Süßwasserreservoirs kontaminieren können.
GASLAND - Der Film, der die Augen öffnet

Gasfirmen boten Josh Fox 100.000 Dollar, damit er ihnen sein Land für die Erdgasförderung mittels Fracking verpachte. Fox lehnte ab und entschloss sich stattdessen dazu, einen Dokumentarfilm mit dem Titel "Gasland" zu drehen, um den Menschen zu zeigen, was beim Fracking geschieht.

Bei den Dreharbeiten stieß er auf Leitungswasser, das auf Grund eines hohen Methananteils leicht entzündlich aus den Hähnen floss, auf große Wasserflächen voller giftiger Abfallstoffe, an deren Ufer tot das Vieh lag und die Vegetation verschwunden war, auf chronisch kranke Anwohner, die in unterschiedlichen Bohr-Gebieten dieselben auffälligen Symptome aufwiesen sowie auf Gasexplosionen und andere Unfälle, die routinemäßig unter den Teppich gekehrt wurden

In Deutschland sind es jetzt dieselben Gas-Firmen, die uns erzählen, dass Fracking sicher sei und es zu keinen Umweltverschmutzungen kommen könne.
Enge Freundschaften zwischen Politikern und Energie-Lobbyisten

Warum wird Fracking nicht eingestellt? Die wirtschaftlichen Interessen sind zu groß, und einflussreiche Politiker arbeiten Hand in Hand mit den Lobbyisten der Energiewirtschaft. So berichtete die Nachrichtenseite DCBureau.org in ihrer Dokumentation "The Marcellus Shale: The Politics of Gas" von offensichtlichen Interessenskonflikten der New Yorker Gesetzgeber in Sachen Fracking.

Der Abgeordnete Maurice Hinchey aus New York beispielsweise forderte erfreulicherweise eine rigorose Überwachung des Frackings. Dann aber zeigte sich, dass seine Ehefrau gleichzeitig Lobbyarbeit für die American Association of Professional Landmen betrieb, einer Organisation, die im Namen der Energiefirmen landesweit Pachtverträge abschließt. In einem anderen Fall unterstützte der republikanische Senator George Winner Neubewertungen der Gasbohrrichtlinien, die von der Energieindustrie gefordert wurden. Zugleich vertrat seine eigene Anwaltskanzlei den größten Naturgasförderer in New York.
Fracking-Gesetze: Von Fracking-Konzernen gemacht

Christoph Denton, eine Anwalt, der Dutzende von Grundbesitzern vor Gericht vertritt, berichtete DC Bureau von einem Gesetzesentwurf, formuliert von der Firma Independent Oil and Gas Industry (IOGA) aus New York. Dieses Gesetz sollte den Energiemultis bei der Fortführung ihrer zweifelhaften Fracking-Praktiken behilflich sein und ihnen erlauben, auf Privatbesitz Bohrungen durchzuführen, auch wenn der Landeigentümer gar nicht damit einverstanden ist. "Es ist ein Entwurf von IOGA," sagte Denton.

Sie schrieben ihn nieder, brachten ihn vor dem Parlament ein, fanden einen Sponsor dafür und setzten es - ohne jegliche parlamentarische Anhörungen - ganz einfach durch.

Petition gegen Fracking in Deutschland

Wie weit die Verstrickungen von Politik und Wirtschaft in Deutschland bereits gediehen sind, wissen wir nicht. Doch sollten wir nichts unversucht lassen, um uns dem umwelt- und gesundheitsgefährdenden Fracking mit aller Kraft entgegen zu stellen. Die Petition an den Petitionsauschuß des Landtags in Nordrhein-Westfalen/Niedersachsen ist hier zu finden. Zeichnen Sie mit!

Weitere Informationen finden Sie unter www.gegen-gasbohren.de
Frankreich verbietet Fracking

Das französische Parlament beschloss am 30. Juni 2011, die umstrittene Erdgasförderung per Fracking ganz offiziell zu verbieten. Mit 176 zu 151 Stimmen wurde das neue Gesetz verabschiedet. Frankreich ist damit weltweit das erste Land mit Fracking-Verbot. Während die konservative Partei für das Gesetz gestimmt hatte, stammte die Mehrzahl der Gegenstimmen aus dem Lager der sozialistischen Opposition. Ihrer Meinung nach gehe das Gesetz nicht weit genug und biete genügend Hintertürchen für andere ähnlich umweltschädliche Fördermethoden.

So sei beispielsweise die Förderung von Schiefergasvorkommen nur per Fracking verboten, mit anderen Technologien dürften die äußerst schwierig aus dem Gestein herauslösbaren Gaslager durchaus gefördert werden. Daher hatten die Sozialisten einen Gesetzesentwurf favorisiert, der jegliche Schiefergasförderung untersagt hätte, nicht nur das Fracking. Unternehmen, die bereits Fördergenehmigungen auf französischem Land innehaben, müssen bis Ende August 2011 der Regierung mitteilen, welche Fördermethoden sie anwenden. Falls es sich dabei um Fracking handeln sollte, oder auch wenn die Unternehmen der Aufforderung zur Erklärung nicht nachkommen sollten, verfällt ihre Genehmigung automatisch.



http://www.zentrum-der-gesundheit.de/fracking-ia.html

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